AUFSCHWUNG in Ruanda – 25 Magazine, Issue 9

AUFSCHWUNG in Ruanda – 25 Magazine, Issue 9

MMeist hat man vorgefasste Vorstellungen über Orte, die man noch nicht kennt. Noch wie war ich angenehmer vom Gegenteil überzeugt worden als bei meinem ersten Besuch in Kigali, Ruanda.

Lange Palmenalleen, gepflegte Blumenbeete, sehr saubere Straßen – so etwas hätte ich eher in Singapur oder der Schweiz erwartet, aber nicht hier! Die Straßen waren so sauber und grün, dass ich mich fragte, ob es überhaupt Staub gab. Ich habe Ruanda im Jahr 2013 zum ersten Mal besucht. Als junge Entrepreneurin war ich auf der Suche nach einem Ort, an dem ich mich niederlassen und ein Unternehmen gründen konnte. Kigali war nicht nur sehr sauber, sondern auch sehr sicher. Nachdem mir ein Taxifahrer versichert hatte, dass man zu jeder Zeit sicher zu Fuß unterwegs sein konnte. Das hat mich so neugierig gemacht, dass ich um 3 Uhr morgens Joggen ging. Ich war echt verblüfft! Ich war davon überzeugt, dass ich mich in Kigali zuhause fühlen würde.

Bei meiner zweiten Reise besuchte ich das NAEB (das nationale Amt für die Entwicklung von Agrarexporten), wo aller Kaffee vor dem Export untersucht und zugelassen wird. Ich war von dem zuverlässigen und effizienten System beeindruckt, das man aufgebaut hatte. Das NAEB bewahrt systematisch jede untersuchte Probe ein Jahr lang auf, sollte beim Export etwas schiefgehen.

Kaffee wurde 1904 erstmals von deutschen Missionaren in den Gebieten rund um Mibirizi in Ruanda eingeführt. Nach dem Völkermord in Ruanda 1994 kam die globale Gemeinschaft zusammen, um dem Land beim Wiederaufbau zu helfen. Mit der Hilfe von USAID-Finanzierung wurden Entwicklungsprojekte wie die Partnership for Enhancing Agriculture in Rwanda through Linkages (PEARL) und der Sustainable Partnerships to Enhance Rural Enterprises and Agricultural Development (SPREAD) gestartet. Ihr Ziel bestand darin, Ruanda mittels der Spezialitätenkaffee-Industrie zu entwickeln. Tatsächlich verfügt Ruanda über ein großes Potenzial zu einer hochwertigen und einheitlichen Produktion. Dies ist dem Willen seiner Einwohner zu verdanken, die ihr Land über die Produktion von hervorragendem Spezialitätenkaffee entwickeln wollen.

Die Regierung von Ruanda steht ganz hinter dieser Initiative und regt lokale Erzeuger an, von einem halb-gewaschenen Prozess auf die Produktion der feinsten Spezialitätenkaffees umzusteigen. Durch verschiedene Hilfsprojekte hat sich der Waschprozess jetzt seit 2001 im Land durchgesetzt. Ruanda hat jetzt mehr als 229 Kaffeewaschstationen, an denen hochwertiger Kaffee erzeugt wird. Das NAEB hat einen Zonensystem eingeführt, nach dem bestimmte Waschstationen in bestimmten Bereichen arbeiten können. Damit werden Farmer auf faire und effiziente Weise ihrer am nächsten gelegenen Kaffeewaschstation zugewiesen. Die Farmer bringen ihre Kaffees jetzt zu ihrer Waschstation. Vor der Einführung eines derartigen Systems hätten die Farmer ihren Kaffee zu der Waschstation gebracht, die ihnen den höchsten Preis für ihren Kaffee gezahlt hätte. Durch das neue Zonensystem werden jedoch Kaffeewachstationen angeregt, gemeinsam mit Farmern in die langfristige Zukunft zu investieren, um hervorragenden Kaffee zu erzeugen.

Der Spezialitätensektor in Ruanda wächst weiterhin an und es entstehen lokale Röstereien, die Röstkaffee produzieren und exportieren. Bei zweien dieser Röstereien handelt es sich um Gorilla Coffee und Misozi Coffee. Es gibt auch neue Röster-/Einzelhändler-Projekte, die sich unter Förderung der Regierungen von Ruanda und China auf den Vertrieb über die Online-Verkaufsplattform Alibaba konzentrieren.

Spezialitätenkaffee ist einer der besten Botschafter für die Tausend grünen Hügel des schönen Ruanda, aber er erreicht noch mehr – er bringt Menschen zusammen, schafft Arbeitsstellen und schöpft qualitätsorientierten Wert für die Nation. Er ist ein außergewöhnlicher Vektor für die wirtschaftliche Entwicklung im Land, der globale Investitionen ins Land bringt. Ich bin so froh, in Ruanda zu leben, die atemberaubenden Ausblicke genießen zu können und durch Kaffee an der Entwicklung des Landes beteiligt zu sein.

INYOUNG ANNA KIM, CEO von LetSequoia, ist eine soziale Unternehmerin, die sich auf die Entwicklung und Befähigung der Bevölkerung von Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo durch die Schaffung von Wirtschaftstätigkeiten konzentriert.

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