Die SCAE begeht ihr 20-jähriges Jubiläum – 25 Magazine: Issue 6

Die SCAE begeht ihr 20-jähriges Jubiläum – 25 Magazine: Issue 6

DDie Speciality Coffee Association of Europe (SCAE) wurde vor zwanzig Jahren mit bescheidenen Zielen gegründet. Seither ist sie dank des intensiven Einsatzes und des Zusammengehörigkeitsgefühls der vielen Freiwilligen gewachsen.

MICK WHEELER, der ehemalige Präsident und Executive Director der SCAE erinnert sich an die Anfangstage des Spezialitätenkaffees in Europa und an die Hürden, die die junge SCAE überwinden musste, um eine community-orientierte Organisation über geografische und kulturelle Grenzen hinweg aufzubauen.

Dies ist keine lange Beschreibung der Geschichte der SCAE – es gibt viel zu viele engagierte Freiwillige, die großzügig ihre Zeit, Ressourcen und Ideen gespendet haben, um sie in so einem kurzen Artikel zu erwähnen. Diejenigen, die damals mit dabei waren, können sich noch gut an die Zeit und ihre Mitstreiter erinnern. Eine längere Geschichte wäre sicherlich angebracht, aber nicht an dieser Stelle. Ja, wir haben alle hart gearbeitet, wurden Freunde, gingen „die Extrameile“ und hatten Spaß dabei. Aber eine Person insbesondere verdient eine besondere Erwähnung: unser erster Präsident, und der Kopf hinter so vielen unserer Meisterschaften, Alf Kramer. Aus seinem Erfindergeist entstanden so viele wertvolle Mittel, die uns bei unserem Ziel, die Exzellenz im Kaffee zu fördern, helfen würden.

Der erste richtige Versuch, eine Organisation in Europa zu gründen, fand im September 1997 auf der Coffee and Cocoa International-Messe im Royal Lancaster Hotel in London statt. Alf Kramer organisierte eine Sitzung, um festzustellen, wie viele Leute daran Interesse hätten, einen europäischen Spezialitätenkaffeeverband zu organisieren. Zum Glück bestand viel Interesse – weitere Meetings wurden in den folgenden Monaten in den Büros der Internationalen Coffee Organisation organisiert, und schließlich wurde die SCAE im August 2018 offiziell gegründet.

Unsere Philosophie war einfach und gilt auch heute noch: Unser gemeinsames Ziel besteht darin, kontinuierlich in jeder Etappe der Liefer-/Wertkette danach zu streben, die Qualität des Kaffees zu verbessern. Denn dies nutzt allen in der gesamten Kaffeekette. Wir führten lange Debatten darüber, Standards zu setzen und nur die Mitglieder zu akzeptieren, die ihr Engagement zu diesem Ideal demonstrieren konnten. Aber letztendlich sahen wir uns als eine Bewegung und keinen restriktiven Handelsverband. Wir entschieden uns, jeden zu begrüßen, der in unserer Nachricht genug Wert sah, um sich zu beteiligen. Das Ziel war Einbeziehung, nicht Ausschluss.

Natürlich diente unser Schwesterverband, die Specialty Coffee Association of America (SCAA) als wertvolles Vorbild. Uns wurde jedoch bewusst, dass wir sie nicht einfach nachbilden konnten, denn Europa ist auf fundamentaler Basis anders: Wir sprechen viele Sprachen und unterliegen unterschiedlichen Gesetzen. Aber als Gruppe verstanden und respektierten wir, dass es unsere Aufgabe war, von der vielfältigen europäischen Kaffeekultur, die so abwechslungsreich, interessant und von Land zu Land verschieden ist, zu lernen, uns untereinander auszutauschen und am wichtigsten, diese Kaffeekultur Wert zu schätzen. Wir mussten einen Verband gründen, der alle diese Dinge in Betracht zog und doch unsere Kernnachricht förderte.

Jemand schlug die ideale Lösung von Landesverbänden vor. Die Idee entstammt einer unorthodoxen Quelle – einem weltweit bekannten Motorrad- und Rockerclub – und der Rest war Geschichte.  Tja, nicht ganz – es bestand immer noch das sehr echte Problem, wie wir mit unseren Mitgliedern in vielen verschiedenen Sprachen kommunizieren würden. Dies haben wir dank der Rekrutierung von Freiwilligen überwunden, die sich zum Rückgrat des Verbandes entwickeln würden. Diese unentbehrlichen Freiwilligen haben nicht zur Veranstaltungen auf lokaler Basis organisiert, sondern bildeten im Prinzip das Gesicht des Verbandes in ihren Heimatländern. Sie haben unermüdlich daran gearbeitet, dass die SCAE als einheitliche Organisation und nicht als Föderation verschiedener Landesverbände fungierte – immer eine schwierige Aufgabe.

Unsere nächste Herausforderung war etwas bodenständiger: Die Finanzierung der Veranstaltungen, die die Organisation abhalten wollte (auch Spaß ist teuer!). Ende November 1998 waren wir sehr überrascht und hocherfreut, dass wir bereits 114 Mitglieder hatten. Zu den 52 Pioniermitgliedern, die zusätzlich zu ihrer Mitgliedergebühr noch 500 € gespendet hatten, waren schnell 62 normale Mitglieder gestoßen.

Zwischen 1998 und 2002 lief alles auf dieser freiwilligen Basis ab. Die SCAE hatte keine bezahlten Mitarbeiter, nur eine Gruppe sehr engagierte Freiwilliger, die mit Begeisterung mitarbeiteten. Diese Anfangsjahre waren von einer Experimentierfreude geprägt, einer Bereitschaft, neue Ideen auszuprobieren, egal wie schräg sie klangen, solange sie unser Ziel unterstützten, die Exzellenz im Kaffee zu fördern. Im Oktober 2000 wurden in Monte Carlo zwei Veranstaltungen unter der Federführung unseres damaligen Präsidenten Alf Kramer eingeführt: die World Barista Championship (WBC) und die Cup Tasting Championship. Seit ihrem Start war die WBC ein voller Erfolg, aber die erste Cup Tasting Championship stellte sich als absolutes Desaster heraus. Erst nach drei Jahren haben wir diese Veranstaltung in Rimini neu gestartet. Wir haben aus unseren Fehlern gelernt und das Format geändert. Heute ist sie als die World Cup Tasters Championship erfolgreich. Wie alles andere, das die SCAE erreicht hat, basierte die Entwicklung aller Weltmeisterschaften stark auf den zahlreichen Freiwilligen, die sorgfältig Regeln ausgearbeitet, aktualisiert und ständig unterschiedliche Elemente jedes Wettbewerbs überarbeitet haben, um schließlich die glänzenden Veranstaltungen von Weltklasse entstehen zu lassen, die wir heute jedes Jahr feiern.

Diese erste Veranstaltung in Monte Carlo mag zwar klein gewesen sein, aber auf ihre eigene Weise war sie ein Riesenerfolg: Sie hat die Vorstellung bestätigt, dass das, was wir hier schufen, allgemein unterstützt wurde. Unsere nächste Veranstaltung in Oslo 2002 war größer und noch beeindruckender. Am meisten in Erinnerung bleibt jedoch der katastrophale Grillabend auf einer Insel kurz vor der Stadt. Der Abend ließ sich angenehm an, aber aufgrund eines plötzlichen Wetterumschwungs saßen mehr als die Hälfte der Teilnehmer bis in die frühen Morgenstunden auf der Insel fest, bis schließlich Rettung nahte. Aber abgesehen von diesem kleinen Missgeschick war die Veranstaltung in Oslo ein großer Erfolg, der die Standards für künftige Veranstaltungen setzte.

Aber es ging uns nicht nur um Spaß. Wir nahmen die Kernfunktion, besonders die Kommunikation mit unseren Mitgliedern, sehr ernst: Café Europa, unser erster Newsletter, wurde im September 1998 als vierseitige Broschüre mit unseren Zielen, Leistungen und künftigen Veranstaltungen eingeführt. Dieses Format wurde im Juni 2004 von einem 36-seitigen Hochglanz-Magazin abgelöst. Ich mag in meiner Bewertung etwas voreingenommen sein, aber es bestach mit kultigen Titelseiten und informativen, gut geschriebenen Artikeln. Das Magazin entwickelte sich schnell zum Sprachrohr und Vorzeigeschild des Verbandes und wurde von den Mitgliedern sehr geschätzt, besonders weil es nicht nur in englischer, sondern gleichzeitig auch in anderen europäischen Sprachen veröffentlicht wurde.

Die möglicherweise wichtigste Funktion des Verbandes liegt in der Bildung, die anfangs über Workshops auf SCAE-Messen und durch spezielle Bildungsveranstaltungen der verschiedenen Ortsverbände angeboten wurde. Anfangs hatten wir durchaus Schwierigkeiten damit, unsere eigenen, sehr hohen Erwartungen zu erfüllen, aber allmählich begannen wir, unsere höchsten Zielsetzungen zu erreichen. Ich glaube, unsere in dieser Hinsicht erfolgreichste Initiative waren die Reisen der SCAE in die Ursprungsländer. Sie boten lebensändernde Erlebnisse für Reisende an, die noch nie die Möglichkeit hatten, Kaffee in seinen Anbauländern zu sehen. Die Entwicklung des AST-Systems der SCAE, bei dem autorisierte Ausbilder von der SCAE zugelassene Ausbildung bereitstellen, war ein weiterer wichtiger Meilenstein, ebenso die Ausarbeitung eines soliden Lehrplans, der alle Aspekte der Industrie abdeckte. Das Kaffeediplom wurde zuerst von der SCAE entwickelt, ist aber jetzt das Kernbildungsprogramm des vereinigten Verbandes. Es stellt den Höhepunkt unseres Bildungsangebots dar und bietet allen Mitgliedern in der Industrie eindeutig identifizierbare Qualifikationen an, die weltweit respektiert und anerkannt werden.

Dies ist nur ein kleiner Einblick in die farbenfrohe Geschichte der SCAE. Vor allen Dingen möchte ich hier die Auswirkungen und unglaublichen Erfolge hervorstreichen und anerkennen, die durch die Leistung der Freiwilligen über die Jahre hinweg in der Organisation erreicht wurden. Viele von ihnen verdienen unsere Anerkennung, aber der Platz reicht nicht, um alle zu erwähnen, Daher richte ich nur ein großes Dankeschön an alle, die uns auf dieser fantastischen Reise begleitet haben – es war ein wahres Vergnügen und viel Spaß.

Für mich geht es bei der Geschichte der SCAE um Engagement, Kameraderie, Selbstlosigkeit und Spaß. Die Entwicklung unserer Organisation ist ein Paradebeispiel für die immense Bedeutung, kontinuierlich einen Gemeinschaftssinn zu fördern und gemeinsam auf ein Ziel hin zu arbeiten. Gemeinschaft entsteht, wenn wir zusammenkommen, Spaß haben, Erfahrungen austauschen und das Gefühl haben, etwas Wertvolles zu tun. Das, und nur das, wird sicherstellen, dass wir – jetzt als die globale Organisation SCA – weiterhin erfolgreich wachsen.

MICK WHEELER diente von 2004 bis 2011 als Executive Director der SCAE.