Benchmarking für Ihr Unternehmen – 25 Magazine: Issue 6

Benchmarking für Ihr Unternehmen – 25 Magazine: Issue 6

KKaffee-Profis wissen, wie wichtig Verhältnisse sind: von Brühverhältnissen bis zum Verhältnis von Espresso zu Milch bauen wir unsere Unternehmen auf einer Reihe von Verhältnissen auf, die es uns ermöglichen, unseren Kunden die bestmögliche Tasse Kaffee zu servieren.

HEATHER WARD erläutert andere, wertvolle Verhältnisse, die Finanzkennzahlen. Dank ihnen können Kaffeeprofis beste Praktiken verstehen und entwickeln, damit ihre Rösterei / ihren Einzelhandel rentabel und finanziell nachhaltig bleibt.

Die Finanzielle Vergleichsstudie Röster/Einzelhändler 2017 der SCA enthält verschiedene Finanzkennzahlen, die führende beste Praktiken und Leistungen von Kaffeeeinzelhändlern und Rösten im Spezialitätenkaffee wiedergeben.

Sie enthält wertvolle Daten – wichtige Betriebsdaten, Verkaufsdaten und Informationen über Businessprofile als Industrieaggregate – anhand derer Industriemitglieder die Leistung ihres eigenen Unternehmens mit anderen vergleichen können. Mit einem umfangreicheren Verständnis der Kernpunkte des Berichts und noch wichtiger, einem Verständnis, wie diese Informationen zu nutzen sind, dient sie als Instrument und Leitfaden für diejenigen, die mehr über das finanzielle Management eines Unternehmens erfahren, ihre eigene Finanzleistung verbessern und die finanzielle Landschaft der Community besser verstehen möchten.

Die Metriken verstehen

Der Bericht enthält wichtige Finanzkennzahlen – „Leistungsmessgrößen“ – anhand derer die Leistung eines Unternehmens mit berichteten Normen in drei Bereichen verglichen werden können: der Rentabilität, der Produktivität und dem finanziellen Management. Jede Untersuchung der Gesundheit Ihres Unternehmens sollte stets mit diesen Leistungsmessgrößen beginnen: die Diskrepanzen zwischen den Leistungsmessgrößen Ihres Unternehmens und den berichteten Normen verweisen Sie auf die Bereiche, auf die Sie Ihre Zeit und Energie fokussieren müssen.

Rentabilität

Rentabilität kann man aus mehreren Blickwinkeln betrachten. Am häufigsten wird das Nettobetriebsergebnis oder der Nettogewinn als prozentualer Verkaufs-/Gesamtertrag angegeben.

Dieses Verhältnis misst die Differenz zwischen den Gesamtverkäufen eines Unternehmens und seinen Ausgaben über einen bestimmten Zeitraum hinweg. Es ist stark von der Preispolitik und der Ausgabenkontrolle eines Unternehmens abhängig. Falls die Bruttomarge (Nettoverkauf minus Kosten der verkauften Güter) ansteigt oder Kosten als Prozentsatz des Umsatzes rückläufig sind, steigt das Nettobetriebsergebnis.

Das Nettobetriebsergebnis ist insgesamt eine gute Messgröße, um festzustellen, wie gut die Bruttomarge und die Ausgaben kontrolliert werden, aber die vielleicht beste Messgröße für die allgemeine Rentabilität ist die Umsatzrendite. Die beiden wichtigsten Messgrößen für die Umsatzrendite sind die Vermögensrendite und die Eigenkapitalrentabilität.

Die Vermögensrendite ist ein besonders guter Indikator der prozentualen Rendite der vom im Unternehmen eingesetzten Gesamtvermögenswerte. Wie auch beim Nettobetriebsergebnis ist es eine gute Idee, den Gewinn vor Steuer zu verwenden. Außerdem vermitteln der Gewinn vor Steuern und Zinsen geteilt durch die Vermögenswerte einen noch klareren Einblick auf die betriebliche Effizienz des Unternehmens, da die Menge des Zinsaufwands von den Schulden abhängt, die ein Unternehmen aufnehmen möchte. Dabei handelt es sich jedoch um Finanzpolitik, und dies steht nicht im direkten Zusammenhang mit der betrieblichen Effizienz eines Unternehmens.

Während die Vermögensrendite die Umsatzrendite aus der Sicht des Unternehmensmanagements misst, ist die Eigenkapitalrentabilität die beste Messgröße für die Rendite an die Geschäftsinhaber. Sie ist als Gewinn vor oder nach Steuern geteilt durch das Eigenkapital definiert. Die Eigenkapitalrentabilität ist die prozentuale Rendite der Inhaber im Vergleich zur Summe, die sie im Unternehmen investiert haben.

Produktivität

Bei der Produktivität handelt es sich schlicht um die erbrachte Leistung im Vergleich zu den Aufwendungen. Als Daumenregel gilt: Je mehr Leistung pro Arbeitsstunde, Mitarbeiter, investiertem Dollar oder sonstiger Aufwendung produziert wird, desto rentabler kann ein Unternehmen sein. Unternehmen müssen stets danach streben, die Produktivität ihrer wichtigsten Vermögenswerte, dem Bestand und der Belegschaft, zu verbessern. Um jedoch die Produktivität verbessern zu können, muss man sie zuerst messen. Die Bestandsproduktivität wird am besten mit dem Lagerumschlag gemessen. Er wird als die Kosten der verkauften Güter geteilt durch den mittleren Lagerbestand gemessen.

Dieses Verhältnis weist auf, wie schnell der Lagerbestand umgeschlagen wird und er wird als „Jahresturnus“ angegeben. Die Personalproduktivität kann auf vielerlei Weisen gemessen werden. Die einfachsten und üblichsten Methoden sind:

Gesamtertrag pro Mitarbeiter: eine gute allgemeine Messgröße, die jedoch von der Inflation verzerrt werden kann. Verwenden Sie stets Vollzeitäquivalente als Mitarbeiterzahlen.

Bruttomarge pro Mitarbeiter: ergänzt die vorherige Messgröße, in dem die Kosten von verkauften Gütern abgezogen werden. Sie wird weniger von der Inflation verzerrt.

Kapitalumschlag (Nettoumsatz geteilt durch Gesamtvermögen): ein guter allgemeiner Indikator der gesamten Unternehmensproduktivität. Dieses Verhältnis zeigt uns, wie viele Verkaufsdollar für jeden Dollar in Vermögenswerten, der zum Betrieb eines Unternehmens verwendet wird, erzeugt werden.

Finanzmanagement

Es gibt zwei Bereiche im Finanzmanagement, die für alle Unternehmen die größte Bedeutung haben: Die Liquidität und der Verschuldungsgrad. Die Liquidität bezeichnet die kurzfristige finanzielle Stärke des Unternehmens. Sie ist Ihre Fähigkeit, kurzfristige Verbindlichkeiten aus den derzeit verfügbaren Geldmitteln zu begleichen. Üblicherweise werden zwei Messgrößen für die Liquidität verwendet:

Liquiditätskoeffizient (Umlaufvermögen geteilt durch laufende Verbindlichkeiten): misst das Ausmaß, in dem ziemlich flüssige Vermögenswerte (alles Umlaufvermögen) die aktuellen Schulden übersteigt.

Liquidität des zweiten Grades (Umlaufvermögen abzüglich Bestand geteilt durch laufende Verbindlichkeiten): eliminiert das Inventar aus dem Zähler, weil es nicht sehr flüssig ist, und vergleicht das Ergebnis mit den laufenden Schulden. Daher ist die Liquidität des zweiten Grades häufig beträchtlich niedriger als der Liquiditätskoeffizient.

Der Verschuldungsgrad zeigt nur an, in welchem Ausmaß das Unternehmen von Darlehen und nicht den Geldmitteln der Inhaber finanziert wird. Er bezeichnet die Summe der Verbindlichkeiten in Bezug auf die Summe des Eigenkapitals auf der Passivseite der Bilanz. Das bedeutendste Verhältnis in den Gesamtschulden des Vermögens ist das Verhältnis des Gesamtvermögens zum Eigenkapital. Je höher das Verhältnis, desto höher der Verschuldungsgrad. Die Eigenkapitalüberdeckung (Summe der Verbindlichkeiten geteilt durch das Eigenkapital) ist eine weitere übliche Messgröße des Verschuldungsgrads des Unternehmens in diesem Bericht.

Den Bericht verwenden

Sobald Sie die Bestandteile des Berichts verstehen und Ihre Leistungsmessgrößen identifiziert haben, können Sie die Metriken Ihres Unternehmens gegen die Vergleichszahlen im SCA-Bericht vergleichen.  Dabei müssen Sie aber an einige Dinge denken:

  1. Eine Abweichung zwischen den Zahlen Ihres Unternehmens (für eine beliebige Leistungsmessgröße) und den Zahlen im Bericht ist nicht unbedingt gut oder schlecht. Sie weist lediglich darauf hin, dass eine weitere Analyse erforderlich sein kann. Als Daumenregel gilt, je größer der Unterschied, desto dringender ist eine weitere Untersuchung erforderlich.
  2. In Situationen mit großen Abweichungen kann es hilfreich sein, die gleiche Leistungsmessgröße über die letzten Jahre hinweg zu errechnen, um mögliche Trends zu erkennen.
  3. Diese Informationen sollen als Instrument für die informierte Entscheidungsfindung dienen, nicht als absolute Standards. Da sich Unternehmen in ihrem Produktschwerpunkt, ihrem Standort, ihrer Größe und anderen Faktoren unterscheiden, können zwei Unternehmen erfolgreich sein, jedoch bei gewissen Leistungsmessgrößen sehr unterschiedlich abschneiden.

Es ist wichtig zu bedenken, dass die Leistungsmessgrößen zwar hervorragende Vergleichswerte zur Messung des Erfolgs Ihres Unternehmens sind, sie jedoch verstanden und nicht nur blind angewendet werden müssen. Wenn beispielsweise die Rentabilität Ihrer Anlage weit unter der berichteten Vergleichszahl liegt, ist es wichtig zu wissen, warum dies so ist. Leidet Ihr Unternehmen tatsächlich, oder ist Ihre Rentabilität künstlich niedrig, weil Sie hohe Gehälter zahlen?

HEATHER WARD ist die Leitende für Inhaltstrategie der SCA. Sie war die federführende Wissenschaftlerin für die Finanzielle Vergleichsstudie Röster/Einzelhändler 2017.

Die Finanzielle Vergleichsstudie Röster/Einzelhändler 2017 entstand, als eine Gruppe von Kaffeeröstern aus der Spezialitäten-Community gemeinsame Unternehmensdaten suchte. Man war auf der Suche nach führenden Unternehmenspraktiken und Leistungskennzahlen, die ihnen bei der Erstellung von Businessplänen und dem Festsetzen von Verkaufszahlen helfen würden. Anstelle sich jedoch auf ihr Gefühl oder auf Annahmen zu verlassen, auf denen sie ihre Geschäftsentscheidungen stützen würden, brauchten die Inhaber und Manager Daten und Nachweise, was in der Branche vor sich ging.

Der Bericht basiert auf den Ergebnissen einer Umfrage, die im Mai 2017 weltweit an Röster im Groß- und Einzelhandel sowie an Kaffee-Einzelhändler (keine Röster) ausgesandt wurde. Die Umfrage und die Ergebnisse wurden auf einer Online-Plattform gehostet, die von Dynamic Benchmarking LLC erstellt und gemanagt wurde.

Weitere Informationen und/oder Zugriff auf die Vergleichsstudie Röster/Einzelhändler 2017 der SCA finden Sie unter sca.coffee/availableresearch.

Wie schneidet Ihr Unternehmen ab?

Sobald Sie die hier beschriebenen Metriken ermittelt haben, können Sie die Metriken Ihres Unternehmens mit den Vergleichswerten aus dem Bericht der SCA vergleichen.

Liegt Ihr Wert erheblich über oder unter dem Vergleichswert im Bericht? Mit diesen Leitfäden erfahren Sie mehr. Beachten Sie bitte: Diese Leitfäden verwiesen nur auf weitere Maßnahmen und sind keine spezifischen Empfehlungen.

Rentabilität

Nettobetriebsgewinn

Zu hoch: Man kann sich kaum eine Situation vorstellen, in der dies ein Problem darstellen würde, aber Sie sollten wissen, aus welchen Gründen die Nettogewinnspanne so hoch ist.

Zu niedrig: Eine weitere Untersuchung ist angebracht. Prüfen Sie, ob die Verkaufskosten zu hoch sind. Falls ja, prüfen Sie die Kosten pro Produkttyp. Prüfen Sie alle Ausgabenkategorien, um zu erkennen, welche besser kontrolliert werden müssen.

Vermögensrendite

Zu hoch: Generell kein Problem. Sie managen Ihr Unternehmen auf effektive Weise.

Zu niedrig: Ihre Umsätze oder Ihr Nettogewinn vor Steuern sind zu niedrig, um Ihre Vermögenswertstruktur zu tragen. Untersuchen Sie den Nettogewinn vor Steuern und den Kapitalumschlag, um festzustellen, woran dies liegt.

Eigenkapitalrentabilität

Zu hoch: Das ist eine sehr gute Situation, außer der Verschuldungsgrad ist zu hoch.

Zu niedrig: Falls die Vermögensrendite ausreicht, haben Sie eventuell mehr Mittel als nötig im Unternehmen investiert. (Siehe Verschuldungsgrad.)

Produktivität

Personalproduktivität

Zu hoch: Generell kein Problem. Kann künstlich hoch liegen, falls viele Funktionen ausgelagert sind und nicht in der Lohnabrechnung erscheinen.

Zu niedrig: Niedrige Personalproduktivität während normaler Geschäftsbedingungen kann darauf hinweisen, dass das Unternehmen zu viele Mitarbeiter hat. Ziehen Sie in Betracht, die Belegschaft zu senken oder mehr Volumen vom vorhandenen Personal zu erzeugen.

Bestandsproduktivität

Zu hoch: Zu hohe Bestandsproduktivität bedeutet im Allgemeinen, dass zu wenig Bestand vorhanden ist und es zu Knappheiten kommen kann.

Zu niedrig: Dies kann entweder auf ein mangelndes Umsatzvolumen oder Überbestände hinweisen. Untersuchen Sie dies nach Produkttyp.

Durchschnittliche Debitorenreichweite

Zu hoch: Kann auf ein mangelhaft organisiertes und verwaltetes Managementsystem für Forderungen hinweisen.

Zu niedrig: Wird gewöhnlich vorgezogen, außer die Kreditpolitik ist zu strikt und kann zu entgangenen Umsätzen führen.

Gesamte Vermögensproduktivität

Zu hoch: Kapitalumschlag, der erheblich über der berichteten Norm liegt kann, vom Mangel an eigenem Anlagevermögen oder einem Mangel an signifikanten Forderungen liegen. Prüfen Sie Ihre prozentuale Bilanzsumme mit der Zusammenstellung Ihrer Umsatzvolumenkategorie.

Zu niedrig: Zu niedriger Kapitalumschlag kann darauf hinweisen, dass mehr Augenmerk auf die Produktivität der zuvor beschriebenen Bereiche gelegt werden muss.

Finanzmanagement

Liquidität

Zu hoch: Ist die Liquidität außergewöhnlich hoch, weist dies möglicherweise auf überschüssigen Bestand und übermäßige Forderungen hin. Prüfen Sie die Produktivitätskennzahlen für diese Posten. Ansonsten gibt es einen Anlass zur Sorge.

Zu niedrig: Falls der Liquiditätskoeffizient und die Liquidität des zweiten Grades zu niedrig sind, operieren Sie möglicherweise nicht mit ausreichend flüssigem Kapital. Dies kann gefährlich sein, falls das Geschäft sich zum Schlechten wendet oder eine Darlehenszahlung unerwartet fällig wird. Die Liquidität lässt sich durch mehr langfristige Finanzierung verbessern und/oder indem mehr Gewinne im Unternehmen belassen bleiben.

Verschuldungsgrad

Zu hoch: Kann Ihre Fähigkeiten, neue Darlehen aufzunehmen, ernsthaft gefährden. Außerdem können die Zinsgebühren die Rentabilität stark beeinträchtigen. Versuchen Sie, mehr Gewinne im Unternehmen zu belassen oder neue Kapitalquellen zu erschließen, wenn Sie den Verschuldungsgrad senken möchten.

Zu niedrig: Sie haben eine Überkapazität für Darlehen, sollte dies erforderlich sein. Manche Inhaber wollen nicht mehr Darlehen aufnehmen als unbedingt nötig. Zusätzliche Schulden werden jedoch die Gesamtrentabilität erhöhen, solange das Unternehmen eine Vorsteuerrendite erreichen kann, die den Sollzinssatz übersteigt.