Die Ökonomie von Kaffee: Rentabilität auf Farmebene verstehen – 25 Magazine: Issue 3

Die Ökonomie von Kaffee: Rentabilität auf Farmebene verstehen – 25 Magazine: Issue 3

AAls sich Avance - die erste Nachhaltigkeitskonferenz und erste am Ursprungsort abgehaltene Konferenz der Specialty Coffee Association - im Guatemala City im Oktober ihrem Ende näherte, wurden Teilnehmer gebeten, anzugeben, welchen Bereich sie in der Kaffee-Wertkette priorisieren würden. Mehr als 90 % der Teilnehmer stellten sich neben das Schild mit der Aufschrift „Rentabilität für Farmer.“

CHAD TREWICK stellt die Hauptpunkte des Farmrentabilitätsberichts der SCA vor.

Als die Teilnehmer mit den Füßen abstimmten, bestätigten Sie, was viele von uns schon seit geraumer Zeit befürworten: Die Kaffeeindustrie kann ein Produktionsrisiko mit globalem Ausmaß nicht ignorieren.

Um die Ökonomie der Kaffeeproduktion auf Farmebene besser zu verstehen, hat die SCA eine Prüfung der Studien in die Kaffeeproduktionskosten aus dem Jahr 2016 in Auftrag gegeben. Dieser Bericht wurde auf der Avance vorgestellt und steht bei sca.coffee zum Herunterladen bereit. Der Bericht hebt hervor, dass die Ökonomie des Kaffeeanbaus nicht so klar umrissen wie die anderer Branchen ist. Es ergaben sich einige interessante Diskussionspunkte, darunter:

Die Rohkaffeepreise sind für Farmer nicht tragbar

Der Farmrentabilitätsbericht der SCA lässt darauf schließen, dass das wirtschaftlich tragbarste, langfristige Szenario für viele Farmer darin besteht, Rohkaffee für unter 2,50 USD pro Pfund zu produzieren. Als Industrie ordnen wir jedoch nicht häufig Kaffee in dieser Größenordnung Wert zu, besonders wenn man die vergleichbar niedrigen Rohstoffpreise für Kaffee bedenkt. Für Mesoamerika merkt Promecafé beispielsweise an, dass der Wert von Rohkaffee nur knapp 1,70 USD pro Pfund erreicht.

Mit aktuellen Preisen auf dem Rohstoffmarkt, die sich zwischen 1,30 USD und 1,40 USD bewegen, hat der SCA-Bericht daher festgestellt, dass die Produktion von Kaffee alleine nicht ausreicht, um auf dem Kleinbauernsektor einen würdigen Lebensstandard zu erreichen.

Hohe Produktivität ist nicht immer die Antwort für erhöhte Rentabilität der Farmer.

Einige der Forschungsergebnisse wiesen darauf hin, dass hohe Produktivität und intensive Farmbewirtschaftung nicht für alle kaffeeerzeugenden Farmer ausreichen. Tatsächlich können diese Methoden die Produktionskosten erhöhen und damit das Nettoeinkommen und die Einkünfte der Erzeuger übersteigen, besonders wenn man die niedrigen Marktpreise bedenkt. Während in vielen Industrien erhöhte Produktivität größere Effizienzen, niedrigere Kosten und höhere Nettoeinkommen bedeuten, trifft dies nicht immer auf den Kaffeeanbau zu. Bei jeder Farm gibt es ein ideales Verhältnis zwischen Investition und Produktivität, das zu einer Ausgeglichenheit zwischen Ertrag, Produktionskosten und Rentabilität führt.

Den äquivalenten Tageslohn mit einberechnen

Es ist sehr wichtig, die häufig unbezahlte Familienarbeit in die Produktionskosten von Kaffee miteinzubeziehen, indem diesen Arbeitsstunden ein Wert zugeordnet wird. Daher kam im der Literaturprüfung das Thema der Berechnung des äquivalenten Tageslohns im Kaffee auf. Wo Alternativen bestehen, sollte das Verdienstpotenzial eines Familienmitglieds, das auf einer Kleinfarm mitarbeitet, mit den Alternativkosten verglichen werden, andernorts als Angestellter zu arbeiten.

Der äquivalente Tageslohn wird durch eine Reihe komplexer Evaluierungen verschiedener Bedingungen, Kaffeewerte, konkurrierender Existenzmöglichkeiten und anderer relevanter Indikatoren ermittelt. Wir glauben, dass das Verständnis des äquivalenten Tageslohns kritisch für das Verständnis ist, ob die Kaffeeproduktion den Lebensunterhalt einer Familie tragen kann, besonders bei Kleinbauern. Durch die Nutzung verbesserter Daten zur Unterstützung dieses Konzept werden wir ein besseres Verständnis der Effektivität und Bedeutung der Einkommensdiversifikation unter Kleinbauern erlangen.

Feedback von Erzeugern

Bei der Literaturprüfung wurden die Ergebnisse einer Kollektion in den letzten zehn Jahren unabhängig durchgeführter Forschungsstudien zum Thema Produktionskosten und Rentabilität untersucht. Der Bericht wurde zwar von der SCA in Auftrag gegeben, aber keine der in Betracht gezogenen Studien wurden auf jegliche Weise vom Verband gesponsert.

Nach der Veröffentlichung des Berichts haben sich viele unsere Freunde und Kollegen in der Produzenten-Community bei uns gemeldet. Viele hatten Bedenken, dass die Ergebnisse der Prüfung bei Kaffeeproduzenten den Eindruck hinterließen, dass ein Versuch, Erträge zu erhöhen, zwecklos sei oder das der Kaffeeanbau wirtschaftlich einfach nicht rentabel wäre.

Wir wollen hier betonen, dass weder die Studie noch die SCA für einen Kaffeeanbau mit niedrigem Einsatz und niedrigen Ergebnissen ist, der auf Armut aufbaut, wie dies im Bericht angeschnitten wurde. Wir halten es jedoch für wichtig, alle Themen und Bedingungen in Bezug auf die Rentabilität von Farmern zu analysieren. Das ist besonders wichtig, da die Studien im Bericht auf gemischte Ergebnisse in der Beziehung zwischen höheren Erträgen und höherer Rentabilität hinweisen. Diese Strategie mag für manche Farmer in bestimmten Umständen funktionieren. Unter anderen Umständen können höhere Erträge aber mit höheren Kosten verbunden sein, und diese Kosten werden nicht immer gut verstanden oder vergütet.

Wir haben in unserer gesamten Industrie Beispiele effektive, mit geringen Risiken verbundene Wege gesehen, um Einkommen durch effiziente Produktivitätssteigerung zu erhöhen. Und wie dieser Bericht zeigt, je mehr wir lernen, desto mehr begreifen wir, dass Rentabilität nicht etwas ist, das wir mit allgemeinen Empfehlungen vergröbern dürfen.

Der Weg zum Verständnis von Farmerrentabilität

Die Erkenntnisse aus dieser Literaturprüfung und der Mangel an rigoroser Forschung zu dem Thema hat den Glauben des Nachhaltigkeitszentrums der SCA bestärkt, dass weitere Forschungen zu diesem Thema priorisiert werden müssen, um tiefere Einblicke in unsere Industrie zu erlangen. Wir hoffen, dass dieses verbesserte Verständnis dazu beitragen wird, Verhaltensweise in Richtung einer robusteren Lieferkette zu ändern.

Die Unterschiede in den geprüften Studien weisen uns darauf hin, dass wir die Bestimmung von wichtigen Leistungskennzahlen, Definitionen und Variablen beeinflussen müssen, um künftige Forschungsbemühungen zu leiten, die die Produktionsökonomie für Kaffeefarmer durchleuchten wollen. Wir brauchen diese Informationen in den Begriffen und Maßeinheiten, die wir als Industrie nutzen. Wir wissen, dass wir mit Forschern, Organisationen im Ursprungsland, gemeinnützigen Organisationen und anderen Förderungsorganen zusammenarbeiten müssen, um einen einheitlichen Satz an Parameters zu erarbeiten, die diese Forschungsbemühungen anleiten. Nur wenn Studien und Ergebnisse leicht miteinander verglichen werden können, werden sie das allgemeine Verständnis unserer Industrie stärken und zu einem Dialog  um die Produktionskosten und dem Wohlstand der Farmer beitragen.

Als das Nachhaltigkeitszentrum der SCA diesen Bericht veröffentlichte, haben uns viele Akteure in der Wertkette ihre positiven wie negativen Kommentare mitgeteilt. Wir sind sehr dankbar, dass so viele Menschen diesem Thema ihre Aufmerksamkeit und Leidenschaft schenken. Wir verpflichten uns zur Teilnahme an einem herausfordernden Dialog, der unser gemeinsames Verständnis steigern soll. Haben Sie Fragen zu diesen Arbeiten oder etwas anderem bezüglich des Nachhaltigkeitszentrums der SCA? Dann senden Sie uns bitte eine E-Mail an sustainability@sca.coffee.

CHAD TREWICK ist Gründer von Reciprocafé, LLC und Vizevorsitzender des Nachhaltigkeitsbeirats der SCA.